Nachhaltig leben mit kleinem Budget - Teil III: Lebensmittel

22. Januar 2020

Lesezeit: ~ 6min

Nachhaltiger leben muss nicht teuer sein und ich stelle die These auf, dass jeder Student oder Geringverdiener viel nachhaltiger leben kann, ohne dafür mehr Geld zu benötigen. In meinen letzten Posts der Reihe "Nachhaltig leben mit kleinem Budget" habe ich euch erzählt, wie ihr in Bezug auf Konsumgüter nicht nur günstig nachhaltiger leben könnt, sondern auch noch Geld sparen und wie ihr bei den Themen Mobilität und Wohnen nachhaltig und mit wenig Geld auskommen könnt. Heute geht es um das Thema Lebensmittel:
Die Deutschen geben durchschnittlich nur etwa 10% ihres Einkommens für Lebensmittel aus - im internationalen Vergleich ist das nicht besonders viel. Daher kommt dieser Post auch erst an dritter Stelle in meiner Reihe, denn meiner Meinung nach ist das nicht der Punkt wo man noch viel sparen kann. Bei dem Einkommen eines Studenten oder Geringverdieners bleibt aber bei 10% des Einkommens nicht besonders viel übrig (und wahrscheinlich geben die meisten mit wenig Einkommen auch mehr als 10% für Lebensmittel aus) und ich möchte euch erzählen, wie ihr aus dem wenigen Geld das meiste rausholen könnt.

Lebensmittel retten

Lebensmittel vollständig kostenlos oder sehr sehr günstig - wie kann das sein? Bei der Überproduktion ist es kaum verwunderlich, dass tagtäglich jede Menge Lebensmittel weggeschmissen werden. Zum Glück haben sich einige Organisationen der Aufgabe verschrieben genau diese Lebensmittel zu retten und du kannst ein Teil davon werden und dadurch sogar noch jede Menge Geld sparen. Das bekannteste Konzept ist wahrscheinlich Foodsharing, dort kannst du dich einfach auf der Homepage anmelden und schauen wo dein nächster Fair-Teiler ist (eine Station wo Foodsaver die geretteten Lebensmittel hinbringen) und Lebensmittel mitnehmen. Über die App TooGoodToGo kannst du direkt bei Restaurants, Bäckereien und Cafes stark vergünstigte Lebensmittel, die übrig geblieben sind, abholen. Oder du schaust selbst im Supermarkt/ Biomarkt nach dem Regal mit den vergünstigten Lebensmitteln, die kurz vor dem MHD stehen oder irgendwelche Macken haben, und sparst dadurch Geld. Mehr Infos und Organisationen zum Thema Lebensmittel retten gibt es in meinem Blogpost "Mit diesen Tipps wirst du zum Lebensmittel-Retter".

Weniger Fleisch, mehr Gemüse

Fleisch ist teuer (und ungesund und nicht ökologisch). Im Vergleich zum meisten regionalen Gemüse trifft diese Aussage sogar zu, wenn man das billigste Billigfleisch kauft. Ich möchte hier niemandem eine Ernährungsform vorschreiben, aber soviel möchte ich gesagt haben: umso weniger Fleisch ihr esst umso einfacher ist es, sich auch mit kleinem Budget Bio-Lebensmittel leisten zu können. Natürlich hinkt die Aussage, wenn ihr dann anfangt euch teure Fleisch-Ersatzprodukte zu kaufen, denn diese sind in der Regel genauso teuer wie Fleisch. Viel unverarbeitetes Gemüse ist für mich die Lösung und ich bin jedes mal wieder erstaunt wie günstig ich mit Gerichten aus nur (Bio-)Gemüse satt werden kann. Ein paar Rezepte für günstige, schnelle und vegetarische Gerichte könnt ihr auf meinem Instagram-Account im Highlight "Rezepte" finden.

Auf dem Wochenmarkt oder in Hofläden einkaufen

Auf Wochenmärkten oder in Hofläden könnt ihr direkt vom Bauern Lebensmittel (vor allem Gemüse) kaufen und dadurch spart ihr euch die Zwischeninstanz eines Supermarktes, der auch noch Geld einstreicht. Das ist der Grund warum hochwertige Lebensmittel auf dem Wochenmarkt oder in Hofläden oft günstiger sind. Bei einem wöchentlichen Wochenmarkt- oder Hofladen-Einkauf könnt ihr euch also mit leckerem, frischen, regionalen und saisonalen Gemüse direkt aus erster Hand eindecken. Oder euch einmal umschauen, ob ein Hof in eurer Umgebung auch Gemüseboxen direkt zu euch liefert.

Selbst kochen

Auswärts essen ist in der Regel immer deutlich teurer, als zuhause selbst zukochen - was auch vollkommen logisch ist, da Kellner, Köche und Ladenmiete bezahlt werden müssen. Nur für Mensen mag das in der Regel nicht stimmen - dort würde ich aus Öko-Gründen aber wenigstens auf die vegetarischen Gerichte setzen. Auch Fertigprodukte aus dem Supermarkt wirken oft günstiger als sie am Ende sind. Meine kleine Faustregel: Umso unverarbeiteter die Zutaten sind, die ihr kauft, umso günstiger kommt euch das Gericht am Ende. Wahrscheinlich rollen jetzt einige mit den Augen und denken: Aber ich habe nicht die Zeit jeden Tag zu kochen. Das Argument kann ich auch verstehen, aber zum Glück gibt es jede Menge super günstige, vegetarische Gerichte die auch noch schnell gehen- zum Beispiel Ofengemüse, Suppen, Nudeln mit Soße... Wann immer ich so ein Rezept habe, teile ich es mit euch auf meinem Instagram Account, ihr findet sie unter dem Highlight "Rezepte".

Selbst anbauen

Jetzt wird es wild - zumindest hätte mein Ich vor wenigen Monaten das gedacht, aber ein paar Lebensmittel selbstanbauen ist gar nicht so schwer, bringt Spaß und spart Geld. Mir ist bewusst, dass viele Studis und Geringverdiener keinen eigenen Garten haben - habe ich auch nicht. Aber für einige Lebensmittel braucht man auch gar keinen Garten, es reicht eine Fensterbank. Am günstigen sind zwei Methoden: Regrowing und selbst aus Samen züchten.
Mit Regrowing kenne ich mich noch nicht ultimativ aus, finde das aber eine super Idee und möchte mehr rumexperimentieren. Im Grunde geht es darum, aus gekauftem Gemüse, das man quasi schon gegessen hat, wieder neues zu züchten. Am einfachsten ist das Wohl mit Salat: den Strunk übriglassen und für einige Tage in ein Glas Wasser stellen, dann fängt der Salat an neu zu sprießen. Dann könnt ihr den Strunk in einen Topf mit Erde setzen und ans Fenster stellen. Ausführlichere Infos gibt es in diesem Blogpost auf dem Blog "Plantura" oder sucht mal auf Pinterest nach "Regrow Gemüse".
Einige Pflanzen wie Kräuter und Rucola züchte ich das ganze Jahr über selbst in der Wohnung. Dazu einfach ein Päckchen Samen kaufen (am besten im Biomarkt) und in einem mit Erde gefüllten Topf oder einer alten Holzkiste aussähen - wie auf der Packung beschrieben. Rucola ist zum Beispiel eine super einfache Indoor-Pflanze, weil wenn man nur die Blätter abnimmt immer wieder Neue aus den zurückgebliebenen Pflanzen nachwachsen.

Fairwerten

Die liebe Verena von @allmydeer hat auf Instagram den #fairwerten ins Leben gerufen und meint damit, möglichst alle Teile von Pflanzen zu verwerten und nichts wegzuschmeißen. Aus den Schalen einer Kartoffel kann man zum Beispiel knusprige Chips backen, aus Orangenschalen ein Putzmittel herstellen und Verena hat auch schon einige verrückte Rezepte entwickelt, bei denen sie zum Beispiel Melonenschalen würzig eingelegt oder eine Butter mit Tannennadeln hergestellt hat - schaut euch also unbedingt mal bei ihr und im Hashtag um. So wird am Ende weniger weggeschmissen und natürlich auch Geld gespart, da ihr aus den Sachen die ihr sowieso kauft alles rausholen könnt.

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