Wie Nachhaltigkeit & Minimalismus mich mehr zu mir selbst geführt haben

27. Mai 2020

Lesezeit: ~ 5min

Selbstliebe - sich selbst lieben, das klingt immer sehr abstrakt und manchmal auch wie das Hippie-Mantra unserer Zeit. Für mich sind Selbstliebe und -Akzeptanz aber eng verknüpft mit meinem Weg zu mehr Nachhaltigkeit und Minimalismus in meinem Leben. Durch das Streben nach einem nachhaltigeren Leben habe ich gelernt mich selbst so zu akzeptieren wie ich bin, aber auch umgekehrt, glaube ich, dass Selbstliebe ein wichtiger Grundstein für ein nachhaltiges Leben ist. Heute möchte ich euch erzählen, was Selbstliebe für mich mit Nachhaltigkeit und Minimalismus zu tun hat und wie ich an meinem Weg zur Nachhaltigkeit an mir selbst wachse.

Sich losmachen von Statussymbolen

Ich war früher ein ziemliches Marken-Opfer, habe Hollister und Abercrombie & Fitch getragen, weil es gerade cool war, fand Besitzer von Apple Produkten immer besonders toll und habe es geliebt, wenn mein Onkel mich in seinem Porsche irgendwo hingefahren hat. Inzwischen lassen mich diese Statussymbole absolut kalt, denn ich definiere mich nicht mehr durch sie. Das kam natürlich nicht einfach so über Nacht, sondern war ein langer Prozess und hat meiner Meinung nach auch viel mit Selbstakzeptanz zu tun. Ich definiere mich inzwischen durch mich selbst, durch meine Taten und meine Werte und nicht mehr durch Dinge, die nur einen Wert haben, weil irgendeine Marke daraufsteht, die irgendjemand gerade für cool erklärt hat. Ich wende das nicht nur auf mich selbst an, sondern auch auf andere Menschen. Diese beeindrucken mich mit ihrem Charakter und nicht mehr durch reine Äußerlichkeiten - tatsächlich beeindrucken mich Menschen am meisten, die ich als selbstbewusst wahrnehme, egal wie viel Geld sie haben oder wie sie aussehen.
Aber jetzt zur Nachhaltigkeit: Warum ist es gut sich von Statussymbolen freizumachen? Die Antwort ist ganz einfach: ich habe nicht mehr das Bedürfnis mit anderen mithalten zu müssen, dadurch "brauche" ich nicht ständig neues Zeug und konsumiere weniger. Es ist mir egal ob mein T-Shirt von einem Noname-Label ist, ich es schon seit 3 Jahren immer wieder trage und schon 10x auf meinem Instagram Account gezeigt habe. Ich brauche kein Auto nur um damit vorfahren zu können und mich toll zu finden. Und mein Smartphone nutze ich bis es auseinanderfällt und kaufe mir dann auch nicht das Neuste und Tollste, sondern irgendeines, dass ich gerade gut Second Hand bekomme.

Mit dem Anders sein klarkommen

Das Anders sein habe ich schon erfahren, bevor ich angefangen habe nachhaltiger leben zu wollen, zum Beispiel früher als ich in der Schule Jahre lang gemobbt wurde. Deswegen war es für mich keine große Umstellung schräg angeschaut zu werden und nicht der Norm zu entsprechen. Aber es ist wichtig damit umgehen zu können, sich nicht "komisch" zu fühlen und zu wissen, dass man ok ist, so wie man ist. Damals in der Schule konnte ich nicht besonders gut damit umgehen, heute kann ich es. Geholfen hat mir dabei definitiv mein nachhaltiges Leben, denn hier ist anders als die Norm sein plötzlich etwas Gutes. Natürlich werde ich ab und zu schräg angeschaut, wenn ich zum Beispiel auf dem Wochenmarkt meine mitgebrachten Boxen auf die Theke packe, und es werden manchmal komische Fragen gestellt, aber genau dieser Austausch und das Vorleben ist so wichtig in diesem Bereich. Seit ich nachhaltiger Lebe gehe ich viel offener mit dem Anders sein um und sehe es als meine Stärke - auch in anderen Bereichen meines Lebens.

Zeit statt Zeug

Arbeiten ist, wie es heute häufig praktiziert wird, ein Teufelskreis. Es fängt harmlos an: wir arbeiten um uns das tägliche Leben leisten zu können. Aber sobald wir den Grundbedarf gesichert haben, ist uns das nicht mehr genug, also arbeiten wir noch mehr, um uns Statussymbole, teure Urlaube und irgendwelches anderes Zeug leisten zu können. Wir füllen unsere Schränke mit teuren Markenkleidern und fühlen uns leer. Wir nehmen Jobs mit über 40 Stunden pro Woche an, um uns ein teures Auto leisten zu können und fühlen uns dadurch doch nicht besser. Wir arbeiten immer weiter und immer mehr um uns dann 6 Wochen im Jahr Urlaube auf den Malediven, in der Karibik und in Australien leisten zu können und fühlen uns doch nicht entspannt. All das habe ich durch reine Beobachtung gelernt und nicht am eigenen Leib erfahren müssen, aber ich weiß, dass mich Zeug nicht glücklich macht. Ich bin glücklich, in meiner 60qm Wohnung mit meinem Freund, einem Studenten-Gehalt und der Erkenntnis, dass ich obwohl ich schon recht minimalistisch lebe, alles habe und immernoch die Hälfte der Dinge weggeben könnte, ohne ihnen nur eine Träne nachzuweinen.

Meinen Körper akzeptieren

Als ich begonnen habe nur noch ökologische Mode zu kaufen, fiel mir schnell auf, dass es keinen einzigen Eco Unterwäsche Hersteller gibt, der in seinen BHs Polster und Push-Ups verbaut - zumindest meines Wissens nach und zu diesem Zeitpunkt. Ich fand die Bilder auf den Seiten immer wunderschön: tolle, natürliche Bralettes. Doch die Hürde war für mich groß auf "die perfekten Brüste" zu verzichten. Facebook blockiert Fotos mit weiblichen Nippeln, Leute tuscheln darüber wenn jemand "keinen BH trägt" und überall wird einem pornös ausstehende Unterwäsche mit Push-Up und Polster angeboten. Ich bin schon immer ein Fan von Natürlichkeit, aber nach dieser Gehirnwäsche meinen Körper endlich vollständig zu akzeptieren wie er ist hat lange gedauert. Die wunderschönen Bralettes von Eco Fashion Marken haben mir dabei geholfen das komische, verzerrte Körperbild abzulegen, dass uns eingebläut wird. Am Anfang fand ich es komisch, habe ständig geschaut ob man "zu viel sieht" und so weiter. Aber dann habe ich endlich final gelernt: Nippel sind nichts schlechtes, Brüste haben natürlicherweise keine absolut runde Form und stehen nicht perfekt und sie müssen nicht so aussehen, wie es uns durch Medien und Pornos suggeriert wird.