Der Mythos vom manuellen Modus

05. Juli 2015

Der heutige Post dient dazu, einen Mythos aus dem Weg zu räumen. Den Mythos, dass man nur im Manuellen Modus der Kamera tolle Fotos machen kann. "Die Profis fotografieren immer nur manuell.", auch wenn ich kein Profi bin, möchte ich diesen Satz als Lüge abstempeln.
Stellt euch vor, euch läuft das perfekte Motiv über den Weg: ein wildes Tier, ein schöner Vogel, eine tolle Libelle, und ihr müsst erst mal Blende und Belichtung anpassen. Ich wette mit euch: bis ihr die perfekten Einstellungen habt, ist das Motiv schon über alle Berge.
Ich gebe zu, auf diesem Blog sind nur die wenigsten Bilder im manuellen Modus geschossen und ich stehe dazu.

Wann benutze ich die Programmautomatik (P)?

Wenn ich mit der Kamera in der Tasche unterwegs bin, steht diese immer auf P, meistens auch gleich mit passender ISO. Die ISO ist - behaupte ich - die am schnellsten und einfachsten zu bestimmende Komponente. Kurz gesagt: kleine ISO = es ist gerade hell, große ISO = es ist dunkel, Ende. Wenn nun also ein wildes Reh über den Weg läuft, muss ich nur noch die Kamera zücken, einschalten und ein Foto machen. Viel schneller ist das wohl kaum möglich.

Wann benutze ich die Blendenautomatik (TV)?

Hier werden Belichtungszeit und ISO bestimmt und die Kamera bestimmt die Blende. Kurz zu merken: TV steht für Time Value, also den eingegebenen Verschlusszeitwert.
Diese Einstellung nutze ich wenn ich Bewegungen einfrieren oder verwischen will. Also beispielsweise bei der Sportfotografie oder wenn man ein Tier fotografieren will.
Außerdem benutze ich die Einstellung gelegentlich, wenn ich kein Stativ dabei habe und etwas Freihand fotografieren will. Da gibt es ja die schöne Faustregel mit Brennweite und Verschlusszeit. Fotografiere ich mit 200mm Brennweite, darf die Verschlusszeit höchstens 1/200 sein, ansonsten kommt es zu Verwacklungen. Also immer schön die Brennweite hinter den Bruchstrich stellen.

Wann benutze ich die Zeitautomatik (AV)?

AV steht für Aperture Value, also Blendenwert. Somit gebe ich bei diesem Modus ISO und Blende ein und erhalte von der Kamera die passende Belichtungszeit. Diesen Modus nutze ich immer wenn ich mit der Tiefenschärfe spielen will. Also beispielsweise bei Macrofotografien um ein möglichst scharfes Bild zu erhalten oder bei Portraits um ein Bokeh im Hintergrund zu erzeugen.

Wann benutze ich den manuellen Modus (M)?

Wenn alle anderen Modi versagen, was eigentlich nie passiert, oder wenn ich etwas mit dem Bild spielen will. Aber auch dann ermittle ich die Komponenten nicht unbedingt selbst, sondern lese erst mal in einem der anderen Modi, was die Kamera vorschlägt und ändere diesen Wert dann nach meiner Vorstellung ab. Das wir die Möglichkeit all dieser Modi haben ist ein Geschenk, kein Stempel der uns zu schlechten Fotografen macht. Wieso nicht mal etwas die Kamera arbeiten lassen? Solang wir damit die Bilder erzielen, die wir wollen, ist das meiner Meinung nach nicht verwerflich und ich wette, dass einige Profifotografen auch mal nicht manuell fotografieren.

Wie handhabst du das? In welchem Modus fotografierst du? Und was sagst du zu der These, dass Profis immer nur manuell fotografieren sollten?