Mit diesen Tipps wirst du zum Lebensmittel-Retter

13. November 2019

Lesezeit: ~ 7min

Mir passiert es ab und zu, dass ich gestresst nach der Arbeit 10 Minuten bevor der Bäcker an der U-Bahn zu macht noch schnell den Laden betrete und ein Brötchen kaufen möchte. Meistens bin ich schockiert, wie groß die Auswahl an Backwaren um diese Uhrzeit noch ist. Wir sind es gewohnt, dass immer alle Regale voll sind und dass wir immer eine größtmögliche Auswahl an Allem haben. Aber genau dieser Überfluss und noch einige andere Schwachstellen führen dazu, dass wir jeden Tag massenhaft Lebensmittel wegschmeißen. Um genau zu sein, werden in Deutschland jedes Jahr mehr als 10 Millionen Tonnen Lebensmittel weggeworfen. Einiges davon ist tatsächlich nicht mehr genießbar, aber ein Großteil der weggeworfenen Lebensmittel könnte noch gegessen oder verarbeitet werden. Dank vieler kleiner oder größerer Organisationen kann wenigstens ein Teil dieser Lebensmittel noch vor der Tonne gerettet werden und ich möchte euch heute in diesem Post alle mir bekannten Organisationen und (legalen) Wege vorstellen, wie ihr selbst Lebensmittel retten könnt. Wenn ihr euch für das Thema interessiert, kann ich euch außerdem meinen Blogpost "Was tun gegen Lebensmittelverschwendung?" empfehlen, dort erkläre ich ausführlich in welchen Bereichen Lebensmittel überhaupt verschwendet werden und gebe noch weitere konkrete Tipps für jeden Bereich, was ihr dagegen könnt. Aber jetzt Vorhang auf für die Wege, wie du zum Lebensmittelretter werden kannst:

Foodsharing

Am bekanntesten im Bereich Lebensmittel-Retten ist wahrscheinlich Foodsharing. Dabei gibt es engagierte Personen, so genannte Foodsaver, die sich darum kümmern Lebensmittel bei Betrieben abzuholen und zu verteilen. Die “Betriebe” sind dabei oft Supermärkte wie Rewe und die Lebensmittel sind noch genießbare Lebensmittel, die sonst im Müll landen würden. Foodsaver behalten einige Lebensmittel selbst für den Eigenbedarf, aber der größte Teil davon wird in der Regel an andere verteilt - das läuft über die Fair-Teiler. Und weil das alles etwas kompliziert und erstmal verwirrend ist, gehe ich noch ein bisschen genauer darauf ein:

Fairteiler

Ein Fairteiler ist ein Ort, wo jeder der möchte gerettete Lebensmittel hinbringen und abholen kann. Wenn ihr euch auf der Website von Foodsharing anmeldet, könnt ihr die Liste der Fairteiler in eurer Gegend einsehen und jeder Fairteiler hat auch ein Board, wo in der Regel Foodsaver Updates posten, wenn sie Lebensmittel gebracht haben. Fairteiler können dabei super unterschiedlich sein, manche sind Orte wie Gemeinschaftsgärten, die öffentlich zugänglich sind und wo man immer vorbeischauen kann. Andere fairteilen die Lebensmittel privat in ihrer Wohnung oder an einem anderen Treffpunkt und haben feste Uhrzeiten. Ich kenne zum Beispiel drei Fairteiler in Hamburg, einer ist in einem super schönen Gemeinschaftsgartenprojekt, ein weiterer ist der Kühlschrank des Asta der Uni Hamburg und der dritte ist einer dieser Fairteiler in einer Privatwohnung jeden Donnerstag Abend. Übrigens fließt bei Foodsharing kein Geld, die Foodsaver arbeiten ehrenamtlich und die geretteten Lebensmittel werden kostenlos verteilt.

Essenskörbe

Essenskörbe sind anders als die Fairteiler nicht regelmäßig, sondern einmalige Gelegenheiten. Ihr könnt beispielsweise einen Essenskorb auf Foodsharing reinstellen, wenn ihr in den Urlaub fahren wollt und merkt, dass ihr noch zu verderbliche Lebensmittel zuhause habt. Dann kann sich jemand bei euch melden und die Lebensmittel abholen.

Foodsaver werden

Ihr könnt auch selbst zum Foodsaver werden und direkt bei den Betrieben zu rettende Lebensmittel abholen. Auch dafür müsst ihr euch auf der Foodsharing-Website registrieren. Dann ist es von Vorteil, wenn ihr euch eine Weile mit Foodsharing befasst und vielleicht auch mal die FAQ’s lest, denn bevor ihr Foodsaver werden könnt, gilt es einen kleinen Test zu bestehen. Außerdem solltet ihr euch natürlich der Verantwortung bewusst sein und das auch wirklich wollen! Ich habe mich nach langem überlegen entschieden, erstmal nicht zum Foodsaver zu werden.

TooGoodToGo

Die App ToGoodToGo habe ich erst kürzlich zum ersten mal ausprobiert, habe sie aber schon länger auf dem Handy und bin total begeistert von dem Konzept. Bei TooGoodToGo machen lokale Restaurants, Cafés, Bäcker und auch Supermärkte mit und ihr könnt dort übrig gebliebene Portionen von (meistens) fertig zubereitetem Essen kaufen, das sonst im Müll gelandet wäre. Dabei bekommt man durch den Portionspreis oft starke Vergünstigungen auf das Essen - ich habe zum Beispiel beim Bäcker eine Portion für 3 € gekauft und dafür 9 gemischte normale Brötchen, 1 großes Käsebrötchen und 1 Croissant bekommen. Die Uhrzeiten, wann ihr die Lebensmittel abholen könnt richten sich meistens danach, wann der Laden zumacht. Die Zeiträume sind also oft am Abend, aber gerade bei Cafés und Bäcker geht es oft auch Nachmittags. Über die App könnt ihr dann “eine Portion” kaufen, im Text steht beschrieben worum es sich dabei handelt und vor Ort müsst ihr nur noch eure App zeigen. Es lohnt sich übrigens oft eine eigene Verpackung mitzubringen um Müll zu sparen, z.B. einen Beutel für den Bäcker oder eine Box, wenn es eine zubereitete Mahlzeit ist.

Sirplus

Das Unternehmen Sirplus ist mein persönlicher Favorit zum Lebensmittel retten, denn gemütlicher geht es gar nicht! Mit Sirplus könnt ihr zuhause von der Coach aus Lebensmittel retten, denn im Online Shop werden hier gerettete Lebensmittel verkauft. Meistens sind das Lebensmittel die bereits über dem Mindesthaltbarkeitsdatum sind, Sirplus testet aber, ob diese noch genießbar sind. Ihr könnt bei Sirplus entweder eine Überraschungs-Retterbox bestellen, die mit verschiedenen geretteten Lebensmittel bestückt wird oder auch direkt auswählen was ihr haben möchtet. Bei der Überraschungsbox ist natürlich cool, dass man dadurch auch mal neue Lebensmittel ausprobiert, die man sonst nicht gekauft hätte und preislich lohnt sie sich auch noch mehr. Ich bestelle meistens trotzdem ein selbst zusammengestelltes Paket und bestelle einfach größere Mengen von Dingen die sich gut lagern lassen und die ich gerne mag - das lohnt sich dann auch preislich! Es lohnt sich immer mal wieder bei Sirplus reinzuschauen, oder ihnen auf Social Media zu folgen, da sich das Sortiment, je nachdem was und ich welcher Menge gerade gerettet wurde, ständig ändert.

Etepetete und Rübenretter

Etepetete und Rübenretter sind Retterboxen für “krummes Gemüse” - die ich persönlich noch nicht getestet habe, hier aber zur Vollständigkeit auch gerne vorstellen möchte. Denn nicht nur Restaurants, Cafés und Supermärkte werfen Lebensmittel weg, die Lebensmittelverschwendung beginnt schon auf dem Feld: krummes oder anders aus der Norm fallendes Gemüse wird schon aussortiert, bevor der Endverbraucher es überhaupt zu Gesicht bekommt. Dagegen gehen sowohl Etepetete als auch Rübenretter vor, indem sie in ihrer Retterbox krummem Gemüse eine zweite Chance geben.

ResteRitter

Mit ResteRitter könnt ihr nicht nur Lebensmittel retten, sondern auch noch soziale Initiativen Unterstützen - denn mit ihrem Gewinn unterstützen die ResteRitter soziale Projekte wie die Stiftung Mittagskinder. Die ResteRitter retten Obst und Gemüse sowohl von Händlern als auch privaten Gärten und verarbeiten sie, um sie länger haltbar zu machen. Zu kaufen gibt es Fruchtaufstriche, Chutneys und Säfte aus gerettetem Obst und Gemüse. Und für die Kieler: ResteRitter veranstaltet immer wieder “Schnippelpartys” bei denen gemeinsam Obst und Gemüse geschnippelt und gekocht wird und bietet ihre Produkte auch in einigen lokalen Läden an.

Im Supermarkt

Auch im Supermarkt können wir im kleinen Maße Lebensmittel “retten”. Viele Supermärkte haben Regale, oder Bereiche im Kühlregal wo sich vergünstigte Lebensmittel befinden, die kurz vor dem Ablauf des Mindesthaltbarkeitsdatum stehen oder irgendeine Beschädigung haben. Wenn ihr diese Produkte kauft, rettet ihr sie quasi auch vor der Tonne. Und auch ohne so ein “Prozente-Regal” könnt ihr im Supermarkt retten: schaut zum Beispiel bei Produkten die ihr sowieso zeitnah verbrauchen wollt auf das MHD der Produkte im Regal und kauft das, welches am schnellsten abläuft. Oder kauft bewusst nicht so schönes Obst und Gemüse oder solches, das schon sehr reif ist.