Nachhaltigkeit ist kein Privileg der Reichen

06. Januar 2021

Lesezeit: ~ 3min

Gerade sind mir mal wieder ein paar Posts der gleichen Kategorie auf Social Media untergekommen, ihre Aussage: "Umweltschutz/ Nachhaltigkeit/ Naturschutz ist ein Privileg der reichen Leute". Und auch wenn ich den grundsätzlichen Gedanken dahinter verstehe, könnte ich dieser Aussage nicht weniger zustimmen! Tatsächlich finde ich sogar, dass Personen, die das glauben Nachhaltigkeit falsch verstanden haben. Erst wollte ich dem Thema nur einen kleinen Instagram-Post widmen, aber ich denke doch: das ist einen ganzen Blogpost wert. In diesem Blogpost möchte ich erklären, warum ich finde, dass Nachhaltigkeit kein Privileg der Reichen ist und euch meine Argumente dafür ans Herz legen:

Konsumreduktion

Ich verstehe wo die Argumentation herkommt, denn nachhaltige Marken sind häufig teurer als die herkömmlichen. Aber da ist meiner Meinung nach schon der große Denkfehler, denn Nachhaltigkeit besteht nicht daraus, bei fancy Eco Fashion Marken shoppen zu gehen und sich die teuerste Naturkosmetik zu kaufen. Nachhaltigkeit bedeutet in meinen Augen bewusster Konsum und vor allem Konsumreduktion. Denn egal ob jemand seine oder ihre Jeans bei einer Eco Fashion oder Fast Fashion Marke kauft, zur Herstellung wird garantiert Wasser und andere Ressourcen verwendet und es wird CO2 ausgestoßen. Und genauso ist das bei jedem anderen Produkt, dass es irgendwo zu kaufen gibt. Wie werden also am meisten Ressourcen gespart und CO2 gar nicht erst freigesetzt? Indem wir einfach gar nichts kaufen. Konsumreduktion ist dabei völlig kostenlos, beziehungsweise je nachdem wieviel ihr vorher konsumiert habt, kann dadurch sogar aktiv Geld gespart werden - worauf viele ärmere Leute angewiesen sind.

CO2-Emissionen

Auch die Statistik stimmt mir zu, dass Nachhaltigkeit kein Privileg ist, denn die reichste Hälfte der Bevölkerung (hohes und gehobenes mittleres Einkommen) verursacht 86% der globalen CO2-Emissionen. Und ich finde das auch ziemlich logisch, denn umso mehr Geld man auf der hohen Kante hat, umso mehr kann man auch um die Welt fliegen und Sachen kaufen. Außerdem leben Menschen mit einem hohen Einkommen häufiger in größeren Wohnungen/ Häusern und verbrauchen dadurch auch mehr Heizenergie und Strom.
Folglich leben Menschen mit einem geringeren Einkommen häufig deutlich nachhaltiger, als "die Reichen". Hier mal ein paar mächtige Stellschrauben der Nachhaltigkeit, die Menschen mit nicht so viel Geld häufig deutlich richtiger machen (und das ohne explizit aus einer Denkweise der Nachhaltigkeit darüber nachzudenken):

  • nur kaufen, was man wirklich braucht
  • nicht alles neu kaufen, stattdessen Second Hand oder leihen
  • Dinge reparieren (z.B. Löcher stopfen) und nicht wegschmeißen
  • weniger (oder am besten gar nicht) Fliegen
  • auf kleinerem Raum leben (& dadurch weniger Energie verbrauchen)
  • mehr ÖPNV oder Fahrrad fahren (& kein eigenes Auto besitzen)

Fazit

Wie ich bereits gesagt habe, kann ich verstehen woher die Denkweise kommt, dass Nachhaltigkeit ein Privileg für Reiche ist. Vielleicht müsste man das ganze aber anders benennen und präzisieren: Nachhaltige Marken und das bewusste Auseinandersetzen mit Nachhaltigkeit ist ein Privileg von Reichen. Ich finde aber, dass mit der Aussage so oder so suggeriert wird, dass weniger reiche Menschen dem Planeten mehr schaden würden, dies aber ok wäre, weil Nachhaltigkeit ein Privileg ist. Deswegen wäre ich mit der Aussage vorsichtig, denn Fakt ist: umso ärmer Menschen sind, umso weniger schaden sie in der Regel dem Planeten. Das Problem sind reiche Menschen und große Unternehmen (hinter denen wiederum in der Regel auch wieder reiche Menschen stecken).