Wie kann ich mich möglichst nachhaltig ernähren?

28. Oktober 2020

Lesezeit: ~ 7min

Unser Ernährungssystem ist der Grund für 2/3 aller Treibhausgas Emissionen und damit einer wirkungsvollsten Anknüpfungspunkte, wenn wir nachhaltiger Leben möchten. Unsere Ernährung ist mitverantwortlich für den Klimawandel und das Artensterben. Und dazu kommen auch noch ethische Faktoren wie die Ausbeutung von Arbeitern und Tierleid. Wie so häufig haben wir Konsumenten aber auch eine Wahl und können uns mit unserer eigenen Ernährung für eine nachhaltige Landwirtschaft, weniger Emissionen und gegen das Artensterben einsetzen. Das Thema ist sehr vielschichtig, wie immer möchte ich vor allem einen Schwerpunkt auf Naturschutz und Nachhaltigkeit legen und euch mit diesem Post erstmal einen Überblick geben - aber versprochen wir werden bald noch mehr in die Tiefe gehen!

Was kommt auf den Teller und was lieber nicht

Klimaschädlichste Lebensmittel

Um zu bewerten wie umweltfreundlich ein Lebensmittel ist, müssen immer verschiedene Punkte miteinbezogen werden. Einer davon sind definitiv die Treibhausgas-Emissionen und mit diesen möchte ich auch anfangen. Hier kommt die Top 6 der Klimakiller-Lebensmittel:

  1. Butter
  2. Rindfleisch
  3. Käse und Sahne
  4. Tiefkühl-Pommes
  5. Schokolade
  6. Schweinefleisch und Geflügel

Hättest du das erraten? Ich war als ich die Liste zum ersten mal gesehen habe überrascht, dass Butter ganz oben steht. Deswegen möchte ich das nochmal tiefer mit euch betrachten: für die Herstellung von 1kg Butter werden ganze 18 Liter Milch benötigt. Das führt dazu, dass für die Herstellung von Butter viele Kühe gehalten werden, die gefüttert werden müssen und Methan pupsen. Bei der Herstellung des Futters wird viel CO2 freigesetzt und für die Flächen zum Soja-Anbau unter anderem der Regenwald abgeholzt. Damit hat Butter eine CO2-Bilanz von 24kg CO2-Äquivalenten pro Kilo Butter. Die Gründe warum Butter so umweltschädlich ist, erklären auch die nächsten beiden Spitzenreiter: Rindfleisch (13kg CO2-Äquivalent pro kg) und Käse (8,5kg CO2-Äquivalent pro kg) sowie Sahne (7,6kg CO2-Äquivalent pro kg).
Um dich nun nachhaltiger zu ernähren solltest du am besten alle 6 Klimakiller-Lebensmittel vermeiden. Ich habe zum Beispiel Butter durch pflanzliche Margerine ersetzt und ihr dann keine Träne mehr nachgeweint. Rindfleisch lässt sich je nach Form super durch Hülsenfrüchte ersetzen, in meine Spagetti Bolognese kommen zum Beispiel gerne Berglinsen. Und in den Supermärkten finden sich immer mehr ausgeklügelte Ersatzprodukte für alle möglichen Formen von Fleisch - vom Gemüsepatty über Soja-Schnetzel bis hin zu Sonnenblumenhack. Auch für die meisten Milchprodukte gibt es inzwischen diverse Ersatzmöglichkeiten, ich bin zum Beispiel sehr überzeugt von Hafermilch und Hafersahne. Wenn es doch mal Käse sein soll, empfiehlt es sich den fettreduzierten Käse zu kaufen (je mehr Fett desto mehr Milch steckt auch im Käse).

Die Planetary Health Diet

Die Treibhausgas-Emissionen sind natürlich nicht der einzige Faktor der bewertet, wie nachhaltig ein Lebensmittel ist. Ein Expertinnen-Gremium der EAT-Lancet-Kommission hat deswegen einen Ernährungsplan entworfen, der auf die verschiedensten Aspekte der Nahrungsmittelproduktion und auch die Gesundheit des Menschen eingeht. Dabei ist die Zentrale Frage der Arbeit: wie kann es bis 2050 möglich sein 10 Milliarden Menschen zu ernähren ohne dabei den Planeten über seine Grenzen hinweg auszubeuten? Was dafür sowohl für die Gesundheit des Menschen als auch des Planeten nötig ist, ist vorwiegend den Verzehr von (rotem) Fleisch und Zucker drastisch zu reduzieren und dafür den Anteil an Gemüse, Obst, Nüssen und Hülsenfrüchten zu erhöhen.
Zur Umsetzung des Ernährungsplans wurden Grammzahlen zum täglichen Verzehr verschiedener Kategorien von Lebensmitteln veröffentlicht. Mein guter Freund Torben und ich fanden den Plan eine tolle Idee, aber viel zu abstrakt zur Umsetzung im täglichen Leben. Deswegen haben wir im Frühling 2019 begonnen die App PLANEATARY zu entwickeln, welche, auf Grundlage der wissenschaftlichen Erkenntnisse, eine nachhaltige und gesunde Ernährung vereinfachen soll. Dabei gibt es nicht nur - wie im ursprünglichen Paper - einen omnivoren Ernährungsplan, sondern auch einen pescetarischen, vegetarischen und veganen Plan. Umso weniger tierische Produkte, umso nachhaltiger wird es, wir wollen aber auch Nutzer
innen miteinbeziehen, die nicht vegan leben, sondern eine breite Masse erreichen und bei der nachhaltigen Ernährung unterstützen. Wir stehen gerade in den finalen Zügen kurz vor der Veröffentlichung der App und sie wird bald für iOS und Android verfügbar sein.

Schau mal auf unserer Webseite planeatary.app, bei Instagram @planeatary oder Twitter @planeatary vorbei, um immer up to date über die Entwicklung und die nahende Veröffentlichung der App zu sein! Auf den Social Media Kanälen teilen wir außerdem spannende Ernährungsfakten, leckere Rezepte und inspirierende Zitate zum Thema.

Saisonalität und Regionalität

Welche Lebensmittel nachhaltig sind und welche nicht ist aber auch von der Jahreszeit und dem aktuellen Standort abhängig - was auch stark zusammenhängt, denn was keine Saison hat, wird häufig von weither zu uns transportiert. Lebensmittel die hier bei uns gar nicht wachsen oder gerade keine Saison haben sind hier häufig trotzdem im Supermarkt zu kaufen, haben aber weite Strecken hinter sich. Beim Transport mit dem Flugzeug oder Schiff werden dabei wieder Treibhausgase ausgestoßen und unsere Umwelt belastet. Ich finde es deswegen wichtig darauf zu achten, wo meine Lebensmittel herkommen: Muss ich wirklich den Wein aus Südafrika kaufen oder tut es nicht auch der aus Baden-Württemberg oder wenigstens Frankreich? Um im Blick zu haben welche Lebensmittel gerade Saison haben gibt es zahlreiche Saisonkalender online aber auch zum ausdrucken oder als schöne Bilder für die Wand. Ich kaufe außerdem immer gerne auf dem Wochenmarkt ein weil es dort bei den Ständen aus der Region frisches Obst und Gemüse der Saison zu kaufen gibt - aber aufgepasst, nicht alle Lebensmittel auf dem Wochenmarkt sind zwingend regional und saisonal, manche Stände kaufen auch auf dem Großmarkt ein. Und im Super- und Biomarkt steht meistens angeschrieben wo ein Lebensmittel herkommt.

Der Punkt WAS man isst, ist deutlich wichtiger als WOHER das Essen kommt. Es ist zum Beispiel deutlich klimaschädlicher 100g Rindfleisch vom Bauern im Nachbardorf zu essen, als 100g Tomaten, die 1x um die Welt gefolgen wurden. Der Grund dafür ist, dass Tomaten in der Herstellung kaum CO2 verursachen, Rindfleisch aber - wie oben schon erklärt - sehr viel und der Transport am Ende doch nicht ganz so viel ausmacht. Am besten ist es aber natürlich CO2-sparende Lebensmittel aus der Region zu essen.

Wie die Lebensmittel hergestellt werden

Auch eine ökologische Landwirtschaft ist vielschichtig und kann viele Ausprägungen haben. Die für die Umwelt spannenden Faktoren die dabei wichtig zu betrachten sind, sind vor allem Pflanzenschutzmittel und Dünger, Gentechnik und Mineraldünger. Da wir uns schlecht jeden Lebensmittelbetrieb selbst anschauen können, ist es am sinnvollsten sich mit Bio-Zertifitierungen auseinanderzusetzen, da die Betriebe dadurch getestet werden und nur mit einem Siegel versehen, wenn sie den Richtlinien des jeweiligen Labels entsprechen. Der Anbau und die Herstellung von Biolebensmittel werden in der EG-Öko-Basisverordnung geregelt, die wichtigsten Merkmale von Biolebensmittel sind dabei der Verzicht von chemisch-synthetischen Pflanzenschutzmittel und von leicht löslichen mineralischen Düngern. Außerdem gibt es bei Produkten tierischen Ursprungs Regeln zur möglichst artgerechten Tierhaltung. Biolebensmittel sind inzwischen in fast jedem Supermarkt erhältlich, außerdem gibt es tolle Bioläden, die ausschließlich bio-zertifizierte Lebensmittel verkaufen. Ich kaufe am liebsten in Bioläden ein, weil ich das einfacher finde und ich mir sicher sein kann, dass jedes Produkt dort in irgendeiner Weise bio-zertifiziert ist. Dennoch achte ich auf die verschiedenen Biosiegel - auf alle einzeln einzugehen würde hier den Rahmen sprengen, deswegen wird es bald einen eigenen Blogpost dafür geben. Es gibt zwei verschiedene Arten von Bio-Siegeln: staatliche Siegel, wie EU-Bio und das deutsche Bio-Siegel "Bio nach EG-Öko-Verodnung", und Siegel von ökologischen Anbauverbänden wie Bioland, Naturland und Demeter. Ich merke mir das immer so, dass das EU-Bio-Siegel die grundlegenste Biokennzeichnung ist und Demeter das strengste Siegel. Aber für mich gilt erstmal: hauptsache bio-zertifiziert!
Neben den Bio-Siegeln gibt es noch zwei geschützte Begriffe, die nur auf Biolebensmitteln verwendet werden dürfen: "biologisch" und "ökologisch". Ganz konkret dürfen die folgenden Begrifflichkeiten nur auf Biolebensmitteln verwendet werden: "kontrolliert biologisch" bzw. "kontrolliert ökologisch" und "biologischer Landbau" oder "ökologischer Landbau". Lasst euch bei den geschützten Begriffen aber bloß nicht täuschen, was zum Beispiel nicht geschützt ist sind Aussagen wie "aus kontrolliertem Anbau". Deswegen rate ich dazu, eher doch nochmal aufs Siegel zu schauen.

Zusammenfassung

Jetzt gibt es noch eine kleine kurz zusammengefasste Checkliste für euch:

  1. Meide die Klimakiller-Lebensmittel, vor allem: Butter, Rindfleisch, Käse und Sahne.
  2. Integriere mehr Obst & Gemüse, Nüsse und Hülsenfrüchte in deine Ernährung und reduziere dafür (rotes) Fleisch.
  3. Lade dir sobald sie fertig ist unsere App PLANEATARY runter.
  4. Versuche dich am Saisonkalender zu orientieren und Lebensmittel möglichst regional einzukaufen.
  5. Kaufe am besten vor allem bio-zertifizierte Lebensmittel, da hier auf viele unökologische Praktiken bei der Landwirtschaft und Herstellung verzichtet wird.