Alles was du über CO₂ Kompensation wissen solltest

18. September 2019

Lesezeit: ~ 8min

[Unbezahlte Werbung] Der Sommer neigt sich schon wieder dem Ende zu und auch die Urlaubssaison geht langsam aber sicher zu Ende und dabei haben wir wahrscheinlich alle - manche mehr manche weniger - auf Kosten des Planenten tolle Erfahrungen gesammelt und eine schöne Zeit gehabt. Vor wenigen Jahren bin ich selbst noch unwissend geflogen und habe mir wenig Gedanken darüber gemacht, welche Auswirkungen das auf unseren Planeten hat, heute weiß ich es besser. Ich möchte hier niemanden für seine Form des Urlaubs anschuldigen, aber egal welches Verkehrsmittel genutzt wurde, könnte es ein spannendes Thema für euch sein, das dabei entstandene CO2 zu kompensieren. Ich weiß, dass die Meinungen über CO2 Kompensation weit auseinander gehen, aber ich will euch erstmal möglichst neutral informieren, Möglichkeiten zur Kompensation aufzeigen und euch Beispiele geben. Dann verrate ich euch auch noch meine Meinung und ihr bildet euch einfach selbst eine.

Was ist CO2 Kompensation?

CO2 zu kompensieren bedeutet, das von uns verursachte CO2 an anderer Stelle einzusparen oder es, z.B. durch das Pflanzen von Bäumen, aus der Atmosphäre zu ziehen und zu speichern. Einfach ausgedrückt heißt es, wir bezahlen Geld, damit andere sich darum kümmern unsere bereits verursachten Emissionen wieder auszugleichen. Die "Anderen, die sich darum kümmern", sind in der Regel gemeinnützige Organisationen mit verschiedenen Klimaschutzprojekten die zumeist im globalen Süden durchgeführt werden und nicht nur gut für das Klima sind, sondern dort auch oft zur Verringerung der Armut der jeweiligen Region beitragen. Aber letzten Endes hat jede Organisation ihre eigene Art der Kompensation und ich stelle euch diese gleich direkt vor.
Am liebsten wäre es mir, wenn eine CO2 Kompensation automatisch im Flugpreis enthalten wäre und somit immer durchgeführt würde. Allerdings müsste dieser Impuls wohl von unserer Regierung kommen, da einzelne Flugunternehmen nicht mehr wettbewerbsfähig wären, wenn sie die automatische Kompensation in Eigeninitiative einführen würden. Einige Unternehmen bieten es aber an, dass man irgendwo während der Buchung einen Haken setzen kann um das CO2 zu kompensieren. Auch wenn es noch nicht automatisch passiert, ist es eine leichte und schnelle Sache selbst CO2 zu kompensieren und auch nicht nur bei Flugreisen sinnvoll! Ich stelle euch jetzt ein paar Organisationen vor, mit denen ihr das machen könnt.

Wo und wie kann ich CO2 kompensieren?

Es gibt verschiedene Projekte und Organisationen, mit denen ihr CO2 kompensieren könnt und auch verschiedene Ansätze, welche sie verfolgen. Für welche Organisation ihr euch am Ende entscheidet ist Geschmackssache.

Atmosfair

Atmosfair ist wahrscheinlich die bekannteste Organisation, bei der ihr CO2 kompensieren könnt. Sie unterstützen verschiedenste Projekte in Entwicklungsländern zu folgenden Themen: Energieeffizienz, Windkraft, Wasserkraft, Biogas & Biomasse, Solarenergie und Umweltbildung. Der Schwerpunkt liegt darauf neue Technologien in Entwicklungsländer zu bringen und dadurch CO2 einzusparen.

Primaklima

Primaklima kompensiert CO2 durch das Pflanzen und Schützen von Wäldern. Dabei werden nicht nur Bäume in "fernen Ländern" finanziert und geschützt, sondern auch vor der eigenen Haustür, zum Beispiel in Sachsen. Damit das CO2 langfristig gebunden ist, unterstützt die Organisation nicht nur das Pflanzen der Bäume sondern garantiert auch die Langlebigkeit.


Myclimate

Myclimate ist eine der ältesten Organisation im CO2 Kompensations-Bereich und unterstützt mit dem Geld sehr unterschiedliche Projekte zur CO2 Kompensation. Sie setzen sowohl auf das Ausbauen von neuen, nachhaltigen Technologien, als auch auf das Pflanzen von Bäumen. Außerdem gefällt es mir, dass man hier schon auf den ersten Blick nicht nur Flüge kompensieren kann sondern noch einiges mehr: Autoreisen, Kreuzfahrten, den allgemeinen CO2 Fußabdruck und den Haushalt (Heizung und Strombedarf).

The Compensators

The Compensators hat nochmal einen ganz anderen Ansatz: sie kaufen CO2-Zertifikate, um die Industrie zur Ausstoß-Reduktion zu bringen. Und das geht so: The Compensators kauft von dem gespendenten Geld CO2-Emissionszertifikate aus dem Europäischen Emissionshandel und vernichtet diese. Europäische Unternehmen erwerben durch solche Zertifikate “Verschmutzungsrechte”, sie müssen also so viele Zertifikate kaufen, wie sie Emissionen verursachen. Durch das Kaufen und Vernichten dieser Zertifikate soll die Wirtschaft daran gehindert werden CO2 zu verursachen.

Eigene Beispiele der CO2 Kompensation

Natürlich möchte ich nicht nur groß über Kompensation erzählen, ohne es je selbst ausprobiert zu haben. Und ich möchte ganz ehrlich sein: auch ich habe meine Leichen im Keller. Deswegen nehme ich euch mit zur Kompensation zwei meiner Reisen - eine mit dem Flugzeug und eine mit dem Auto.

Meine Kapstadt Reise mit dem Flugzeug (2015)

Als ich 2015 mein Abi gemacht habe war ich noch nichtmal ansatzweise so stark auf Nachhaltigkeit bedacht wie heute. Wie es vielen Abiturienten geht, wollte auch ich erstmal "raus" und was von der Welt sehen. Also habe ich eine 6-wöchige Sprachreise nach Kapstadt gemacht - das heißt zweimal fliegen um die halbe Welt. Heute bin ich schlauer und habe die Flüge nun 4 Jahre später endlich kompensiert: Ich habe mich dafür entschieden mein CO2 der Flüge mit Primaklima zu kompensieren, weil ich gerne Aufforstungs- und Waldschutzprojekte unterstützen möchte. Im CO2 Rechner kann ich einfach ausrechnen wieviel CO2 durch Hin- und Rückflug verursacht wurden, ich gebe dafür Anfangs- und Endflughafen ein (FRA und CPT) sowie den Zwischenstopp (JBN), es sind 6,04 Tonnen CO2. Die Usability des Rechners hat mich etwas verwirrt, aber ich bin dann doch recht schnell zu meinem Ergebnis gekommen. Die Kompensation kostet mich 90,60 € und auch wenn es mir etwas wehtut den Betrag zu bezahlen sehe ich es vollkommen ein - der Flug hat damals deutlich mehr gekostet und bisher hat die Umwelt den Betrag für mich gezahlt.


Dänemark Roadtrip mit dem Auto (2019)

Auch Reisen mit dem Auto sind schädlich fürs Klima - generell ist jedes Verkehrsmittel in seiner Form schädlich fürs Klima außer solchen die gar kein CO2 verursachen, wie das Fahrrad. Deswegen wollte ich auch gerne meinen Dänemark Roadtrip, den ich dieses Jahr mit meinem Freund gemacht habe kompensieren. Eine Kompensation von Autofahrten ist nicht ganz so üblich wie bei Flügen und deswegen habe ich mir die Organisation Myclimate dafür ausgesucht, die einen extra Rechner dafür hat. Auf unserem Roadtrip sind wir 2.460 Kilometer mit dem Auto gefahren. Es war ein Benziner und dürfte einen durchschnittlichen Verbrauch von ungefähr 8 Litern pro 100km gehabt haben. Das sind alle Angaben die myclimate zum ausrechnen benötigt - Kilometer, Verbrauch und Art des Treibstoff. Errechnet wurde dafür eine CO2-Menge von 0.716 Tonnen, was 18 € in der Kompensation kostet. An dieser Stelle ist es möglich zwischen verschiedenen Kompensations-Projekten zu wählen oder das Geld in einen "großen Topf zu schmeißen" wodurch myclimate entscheidet wo das Geld hingeht. Ich habe mich für ein Aufforstungsprojekt in Nicaragua entschieden. Außerdem schlägt myclimate noch vor 6 € für Umweltbildung zu spenden, was ich auch gemacht habe und damit das Ganze ein schön glatter Betrag wird, habe ich noch 6 € mehr an Spenden draufgepackt. So komme ich am Ende auf 30 €.

Meine Meinung zur CO2 Kompensation

Viele sehen CO2 Kompensation als Ablasshandel und ich kann diese Sichtweise auch wirklich nachvollziehen. Genau das sollte bei der CO2 Kompensation vermieden werden: wir dürfen dadurch nicht das Gefühl bekommen, es wäre in Ordnung 5x im Jahr zu fliegen und jedes Jahr noch eine dicke Kreuzfahrt zu machen (übertrieben dargestellt). CO2 Kompensation ist kein Ablasshandel sondern das letzte Mittel, ein kleiner Ausgleich für das Klima um wenigstens ein bisschen wieder gut zu machen, was man angerichtet hat. Ich finde CO2 Kompensation ist das mindeste, was eine Einzelperson tun kann um auszugleichen, dass sie sich dazu entschlossen hat ein Flugzeug oder ein Auto zu benutzen. Also um meine Meinung auf den Punkt zu bringen: Gar nichts zum Ausgleich tun ist doof, kompensieren ist gut, CO2-Emissionen vermeiden ist besser.

Wie ich das mit dem Fliegen handhabe

In den letzten 5 Jahren bin ich genau 2x geflogen, das letzte mal vor zwei Jahren und seitdem habe ich sehr bewusst darauf verzichtet. Ich möchte auch zukünftig auf das Fliegen verzichten, weiß aber auch, dass ich vielleicht mal an einen Punkt kommen werde, wo ich doch wieder in ein Flugzeug steige. Ich habe mir aber folgende Regeln aufgestellt:

  1. Ich werde niemals innerhalb Deutschlands oder in eines der Nachbarländer fliegen, all diese Strecken sind nämlich wunderbar mit dem Zug zu meistern und ich finde Fliegen an dieser Stelle besonders unnötig.
  2. Ich möchte auch bei längeren Strecken erst prüfen, ob es mir möglich ist, diese mit dem Zug zurückzulegen.
  3. Ich werde für eine Reisedauer von unter 2 Wochen kein Flugzeug besteigen - denn wenige Tage Spaß sind die Emissionen nicht wert und was Viele immer gerne als Argument bringen, warum fliegen für sie unverzichtbar ist - neue Kulturen und Lebensweisen kennenlernen - ist unter 2 Wochen Reisedauer auch nicht möglich.
  4. Ich möchte nie öfter als 1x alle zwei Jahre fliegen und generell sehr genau darüber nachdenken, ob ich das nun wirklich brauche oder ob es nicht doch ziemlich unnötig ist.
  5. Wann immer ich fliege möchte ich außerdem die dadurch entstandenen CO2 Emissionen kompensieren.