Verschiedene Materialien von (nachhaltiger) Mode einfach erklärt

03. Juli 2019

Lesezeit: ~ 7min

Mode hat viele Gesichter und vor allem viele verschiedene Materialien. Als ich begonnen habe nur noch nachhaltige Mode zu kaufen, hat mich die Auswahl an Materialien und die Frage, was wirklich nachhaltig ist und was nicht, ziemlich überfordert. Plötzlich laufen einem Begriffe über den Weg, die man noch nie gehört hat, wie zum Beispiel Tencel oder Modal. Ich möchte für euch heute etwas Licht ins Dunkel bringen und euch alles über verschiedene Materialien erzählen, aus denen nachhaltige Mode bestehen kann und welche Vor- und Nachteile sie bieten.

Bio-Baumwolle

Baumwolle ist eine Naturfaser und das am meisten genutzte natürliche Material für Kleidung. In der konventionellen Produktion ist sie durch Chemikalien auf den Feldern, einen hohen Wasserverbrauch und gen-veränderte Samen aber nicht besonders nachhaltig. Wirklich nachhaltig ist Baumwolle daher nur in Form von Bio-Baumwolle, denn beim Anbau und der Produktion von Bio-Baumwolle dürfen keine Chemikalien oder gen-verändertes Saatgut verwendet werden, der Wasserverbrauch ist trotzdem recht hoch, es wird aber ungefähr 95% weniger Wasser verwendet als bei der herkömmlichen Baumwollproduktion. Der Wasserverbrauch ist auch der größte Nachteil von Baumwolle: für 1kg Baumwolle werden ca. 11.000l Wasser verbraucht. Kleidung aus Baumwolle ist sehr strapazierfähig und damit langlebig, gepaart damit, dass Baumwolle ein komplett natürliches Material ist, kann sie ein sinnvolles Material für ökologische Mode sein.

Lyocell (Tencel)

Lyocell ist eine Cellulosefaser die aus Holz gewonnen wird, in der Regel aus dem asiatischen Eukalyptusholz. Tencel und Lyocell sind im Grunde das gleiche, bei Tencel handelt es sich lediglich um die Markenbezeichnung des Materials von der österreichischen Firma Lenzing. Der Anbau des Eukalyptusholz ist ökologisch unbedenklich, da es aus nachhaltig bewirtschafteten Wäldern und Plantagen stammt, deren Fläche nicht anders landwirtschaftlich genutzt werden könnte (z.B. für den Lebensmittelanbau oder ähnliches). Die Eukalyptuspflanze braucht weniger Wasser als Baumwolle und benötigt außerdem deutlich weniger Fläche für eine vergleichbare Menge an Material - aus 6m² Boden kann zum Beispiel 1 Baumwoll-T-Shirt oder 10 Tencel-T-Shirts hergestellt werden. Die Faserherstellung von Lyocell/ Tencel ist trotz synthetischem Prozess nachhaltig, da es sich um einen geschlossenen Kreislauf handelt in dem das Lösungsmittel, welches als ökologisch unbedenklich gilt, immer wieder verwendet wird. Das daraus hergestellte Tencel fühlt sich wunderbar auf der Haut an und ich bin jedes mal wieder begeistert wie selten man die Kleidung daraus waschen muss - da die Fasern eine gewisse Selbstreinigungskraft haben. Außerdem gilt Tencel als noch strapazierfähiger als Baumwolle - und damit wahrscheinlich auch langlebiger.

Wie Lyocell handelt es sich bei Modal um eine Cellulosefaser, die aus Holz gewonnen wird, in der Regel aus Buchenholz aus dem mitteleuropäischen Raum. Da die Herstellung von Modalfasern auf einem sauerstoffbasierten chemischen Prozess beruht, gilt Modal als synthetische Faser. Wie bei Lyocell handelt es sich auch hier um einen geschlossenen Kreislauf wodurch 95% der eingesetzten Chemikalien immer wieder verwendet werden können. Die meisten nachhaltigen Marken verwenden Modal von Lenzing Modal Edelweiß (gleiche Firma wie bei Tencel). Dort wird auf eine energie- und ressourcenschonende Herstellung geachtet, das Buchenholz wird lokal und nachhaltig angebaut und es wird nur Holz verwendet, dass für andere Zwecke wie z.B. die Möbelindustrie nicht hochwertig genug ist. Durch ein besonderes Spinnverfahren ist Modal besonders glatt, hitzebeständig und saugfähig. Über Modal konnte ich wirklich keinen einzigen Nachteil finden, da es nicht nur nachhaltig sondern auch lokal hergestellt wird, scheint es ein wirkliches All-Around Talent zu sein.

Bio-Leinen

Leinen wird aus der Pflanze Lein, oder auch Flachs genannt, gewonnen, welche eine der ältesten Kulturpflanzen und unter anderem hier in Europa heimisch ist. Auch hier ist es wieder wichtig darauf zu achten nur Bio-Leinen zu kaufen, da anders als beim konventionellen Leinen auf chemische Pestizide, schädlichen Dünger und Gentechnik verzichtet wird. Da Leinen auch regional in Europa angebaut wird, ist dieses Material meiner Meinung nach eines der nachhaltigsten (zumindest an unserem Standort) und ihr werdet überrascht sein, wie vielseitig Leinen ist. Auch hier kann ich wieder von der strapazierfähigkeit schwärmen. Der einzige Nachteil: aktuell wird recht wenig Leinen kontrolliert biologisch angebaut, was möglicherweise daran liegt, dass es relativ anfällig für Pilze und andere Schädlinge ist und es dadurch zu Ernteausfällen kommen kann. Wenn die Nachfrage für Bio-Leinen steigt, kann ich mir aber gut vorstellen, dass trotzdem mehr Leinen angebaut wird und mit den ab und zu stattfindenden Ernteausfällen muss man dann wohl leben.

Wolle

Wolle ist eine tierische Naturfaser und wird aus dem Unterhaar von Schafen, Ziegen und vereinzelt auch anderen Tieren wie Kamelen und Kaninchen gewonnen. Es gibt jede Menge verschiedene Arten von Wolle wie z.B. Kasmirwolle, Merinowolle oder Angorawolle, diese bezeichnen nur von welchem Tier die Wolle stammt z.B. von der Kasmirziege, dem Merinoscharf und dem Angorakaninchen. Wenn irgendwo “Reine Schurwolle” steht, bedeutet das, dass es sich um Wolle von lebendigen Tieren handelt, die erstmals verarbeitet wird - es handelt sich also nicht um wiederverwendete Wolle und stammt auch nicht von einem geschlachteten Tier. Zur Gewinnung der Wolle müssen also keine Tiere leiden oder gar sterben und wenn die Haltungsbedingungen gut sind, finde ich es vertretbar Kleidung aus Wolle zu kaufen. Wolle kann außerdem regional produziert werden (was aber nicht immer der Fall ist) und es wird für das Färben der Stoffe dank absorbierender Eigenschaften nur wenig Farbstoff benötigt. Einen Nachteil gibt es aber auch hier: Schafe stoßen klimaschädliches Methan aus.

Seide

Seide wird aus den Kokons von Seidenraupen gewonnen und ist damit eine tierische Naturfaser. Der Maulbeerspinner der bei Maulbeerbäumen vorkommt ist die bekannteste Seidenraupe und die Seidenproduktion findet folglich vor allem in China, Japan und Indien statt. Aus Seide werden dann verschiedene Stoffe hergestellt, wie Chiffon, Satin, Taft, Jacquard und Brokat. Viele Veganer kaufen keine Kleidung aus Seide, da bei der Herstellung die Seidenraupen getötet werden, die eigentlich als Schmetterling aus dem Kokon geschlüpft wären. Außerdem ist Seide recht aufwändig in der Pflege, wenn man sich davon nicht abschrecken lässt gibt es aber auch noch einige Vorteile: beim Anbau der Maulbeerbäume und in der Seidenproduktion werden keine Chemikalien verwendet und Maulbeerbäume werden in Mischkulturen angepflanzt.

Recycling Polyester

Die Fasern von eingeschmolzenem und gereinigtem Plastik z.B. aus Getränkeflaschen, können zu einem Garn versponnen und daraus Kleidung hergestellt werden. Letzten Endes entsteht dabei wieder Polyester/ Polyamid/ Polyacryl, wie wir es alle kennen, nur dass es aus Müll hergestellt wurde. Einerseits ist das eine tolle Art und Weise, um aus dem Müll nochmal etwas sinnvolles herzustellen, andererseits kommen damit all die Probleme die Polyester bietet wieder von Neuem auf. Zum Beispiel, dass Kleidung aus Polyester beim Waschen Mikroplastik abgibt, dass somit in unsere Gewässer gerät. Außerdem entstehen bei der Schmelzung beim Recycling giftige Stoffe. Ich persönlich bin aus diesen Gründen kein Fan von Kleidung aus Recycling Polyester, ein paar Kleidungsstücke daraus besitze ich zwar, vermeide es beim Neukauf aber eher.

Mein Fazit

Ihr sollt euch natürlich eine eigene Meinung bilden, aber meine werde ich euch trotzdem nicht vorenthalten. Alle Materialien die ich euch vorgestellt habe - außer dem Recycling Polyester - sind natürlichen Ursprungs und damit schon deutlich besser als Kunstfasern, ich habe aber trotzdem meine Lieblinge: Nach meiner ausführlichen Recherche glaube ich das vor allem Modal und Bio-Leinen, aber auch Lyocell/ Tencel die nachhaltigsten Materialien sind, die außerdem ohne tierische Bestandteile auskommen. Auf diese drei Materialien möchte ich am meisten setzen und zum Glück gibt es sie auch bei vielen nachhaltigen Modemarken.
Polyester werde ich generell weiterhin vermeiden, egal ob aus Recycling-Plastik oder nicht - soll heißen: Kleidung aus Polyester ist für mich komplett tabu. Manchmal hat auch nachhaltige Kleidung einen kleinen Poly-Anteil, der an einigen Stellen wohl auch nötig ist, das finde ich ok, würde dann aber Polyester aus Recycling-Plastik bevorzugen.
Wolle und Seide sind keine Materialen, die mir oft über den Weg laufen, falls ich mal ein schönes, nachhaltiges Produkt daraus finden sollte, hätte ich aber kein Problem damit, es zu kaufen.
Und zu guter Letzt die Baumwolle: für mich ein gutes nachhaltiges Material, aber aufgrund des hohen Wasserverbrauchs und dass es nicht lokal angebaut wird, nicht optimal. Solange es Bio-Baumwolle ist, finde ich es aber in Ordnung ab und an mal Produkte daraus zu kaufen.

Falls ihr durch diesen Artikel Lust bekommen habt, euch noch mehr mit nachhaltiger Mode zu beschäftigen, hätte ich da ein paar passende Posts für euch:

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Quellen