40 Tage Konsumfasten - mein Erfahrungsbericht

24. April 2019

Lesezeit: ~ 6min

Vor ungefähr 40 Tagen habe ich mir vorgekommen die Fastenzeit zu nutzen um noch mehr auf meinen Konsum zu achten und ihn letzten Endes auch zu fasten. Was für mich alles unter Konsum fällt, warum ich das ganze tun wollte und wie ich das Konsumfasten letzten Endes bewerkstelligen wollte, könnt ihr in meinen Blogpost "Fastenzeit - 40 Tage Konsumfasten" nachlesen. Heute möchte ich euch darüber berichten wie das Fasten für mich lief: aufgeteilt in die verschiedenen Gebrauchs- und Verbrauchsgüter die ich gefastet habe.

Gebrauchsgüter

Kleidung

Ich kaufe generell Kleidung sehr bedacht und dadurch auch recht wenig, daher dachte ich es würde sehr einfach werden 40 Tage komplett darauf zu verzichten. Letzten Endes habe ich mein Fasten aber an genau dieser Stelle einmal gebrochen: Ich hatte schon einige Wochen vor meinem Fasten eine tolle faire Mom Jeans entdeckt, die aber leider nicht mehr in der passenden Größe für mich da war. Wegen Lieferschwierigkeiten kam es dann dazu, dass die Jeans nicht mehr vor meinem Fasten im Laden angekommen ist - also habe ich sie letzten Endes während meines Fastens gekauft. Dieser Fall hat mir ehrlich gesagt auch etwas die Augen geöffnet und ich bin für mich zu dem Schluss gekommen, dass ich Kleidung-Fasten nicht allzu sinnvoll finde:
"Buy less, choose well, make it last" (Vivianne Westwood) ist eines meiner Lieblingszitate im Nachhaltigkeitsbereich. Es zielt darauf ab generell weniger Kleidung zu kaufen und das finde ich persönlich auch sinnvoller, als einmal im Jahr für 40 Tage keine Kleidung zu kaufen und danach wieder wie gewohnt weiterzumachen und sich mit neuen Dingen einzudecken. Das Fasten an sich widerspricht für mich dem "Choose well"-Faktor des Zitats, denn am praktischen Beispiel gesprochen: Ich suche schon seit Jahren eine Mom Jeans die nachhaltig oder Second Hand ist, eine gute, langhaltende Qualität hat und mir gut steht. Ich habe schon etliche Jeans anprobiert und nie die für mich Perfekte gefunden - das richtige Produkt zu finden kann manchmal lange dauern, aber wenn man es dann findet sollte man auch zuschlagen und dann zum letzten Punkt "Make it last" übergehen.

Andere

Die anderen Gebrauchsgüter, die ich definiert habe waren: Schuhe, Schmuck & Accessories , Möbel, Deko-Artikel, Küchenartikel und Technik. An dieser Stelle hatte ich keine Schwierigkeiten mit dem Fasten - was mit Sicherheit auch daran liegt, dass ich genug von alle dem habe. Schuhe habe ich sogar ordentlich ausgemistet - drei Paare müssen gehen, die ich schon lange nicht mehr getragen habe. Außerdem habe ich ein Paar zum Schuster gebracht, damit es länger hält und was man vielleicht als kleinen Bruch des Fastens sehen kann: ich habe mir eine Bürste für Wildleder gekauft, die für ein paar Schuhe dringend notwendig war, um sie ordentlich zu pflegen.

Verbrauchsgüter

Kosmetik

Mich bei Kosmetik zurückzuhalten fällt mir ziemlich leicht - wahrscheinlich weil ich als Teenager eine Phase hatte wo ich super viel Schminke und andere Kosmetik gekauft habe, um irgendwann zu merken, dass das Quatsch ist. Inzwischen habe ich eine ziemliche Routine was Kosmetik angeht und probiere - außer hier und da mal eine plastikfreie Neuheit - selten etwas Neues aus. Einige Wochen vor dem Fasten kam ein Paket von Erui Cosmetics bei mir an mit zwei tollen Cremes, einem Balsam für die Hände und einer Seife. Daher war ich mit Kosmetikprodukten auch gut versorgt.
Das Einzige was ich an dieser Stelle unbedingt während dem Fasten benötigt habe, war ein neues Shampoo. Sonst wäre aus meinem Konsumfasten nach wenigen Wochen eine No-Poo Challenge geworden.

Alkohol & ungesundes Essen

Wahrscheinlich hat es meinem Körper sehr gut getan mal eine ganze Weile auf Alkohol zu verzichten - wobei ich sagen muss, dass es mir auch wirklich nicht schwer gefallen ist und ich auch sonst nicht viel trinke. Die Versuchung zum Abendessen mal ein Glas Wein zu trinken ist ab und zu recht groß gewesen, denn Wein schmeckt mir eben auch einfach sehr gut, aber es war auch nicht gerade tragisch für mich darauf zu verzichten.
Mit Fast Food ist es mir schon deutlich schwerer gefallen und das ein oder andere Mal habe ich auch trotz Fasten Fast Food gegessen. Ich versuche generell auch durch ökologische Gesichtspunkte und Müllvermeidung Fast Food zu vermeiden, aber manchmal geht es dann doch durch mit mir - zum Beispiel bei diesen super leckeren Kartoffelboxen mit Käse und Sour Creme. Ebenso erging es mir mit Süßigkeiten und Knabbersachen, wobei ich mich dort schon besser zurückhalten konnte. Außerdem habe ich bei @alltagserfinderin auf Instagram ein tolles Rezept für selbstgemachte Chips entdeckt und so während meinem Fasten auch mehrfach Chips selbstgemacht. Das ist für mich eher ein Erfolg als ein Bruch des Fastens, denn außer ganz wenig Öl und Gewürzen war an den Kartoffeln nichts dran und sie werden auch nicht frittiert sondern im Ofen gebacken - das klingt eigentlich nicht ungesund oder?
Generell habe ich noch mehr auf eine gesündere Ernährung geachtet - mit weniger Fleisch und viel Obst und Gemüse - und das ist mir gut gelungen.

Fazit & wie es in Zukunft weitergeht

Ich war von meinem Fasten dieses Jahr nicht so begeistert wie letztes Jahr beim Plastikfasten. Statt voller Elan Neues zu lernen und meinen Alltag zu reflektieren habe ich mich dieses mal eher gefühlt als würde ich still stehen und an meinem Alltag hat sich gefühlt auch nichts geändert. Ich führe schon seit Anfang des Jahres ein Konsumtagebuch in meinem Simplimentär-Planer und habe daher schon recht gut im Blick wieviel und was ich konsumiere. Das möchte ich in Zukunft auch weiterführen und ich möchte lieber weiter versuchen generell weniger zu konsumieren, statt ein komplettes Verbot zu verhängen und danach weiterzumachen wie zuvor. Vielleicht habe ich mir von dem Ganzen aber auch einfach zu viel erhofft, eine Befreiung von der Konsumgesellschaft oder sowas.
Letzten Endes habe ich während meines Fastens also 3 Konsumgüter gekauft: eine Hose, eine Wildleder-Bürste und Shampoo. Für manche mag das vielleicht wenig erscheinen, für andere viel. Für mich ist es relativ normal viel: ich kaufe ohne Fasten meistens nicht mehr oder weniger - wobei das natürlich schwankt je nachdem ob ich gerade etwas benötige oder nicht.

Wenn ihr mal fasten wollt, kann ich euch Plastikfasten sehr ans Herz legen! Dafür muss auch nicht Fastenzeit sein, ihr könnt euch jeder Zeit ein paar Tage/ Wochen rauspicken und auf Plastik verzichten. Beim Plastikfasten stehen die Wahrscheinlichkeiten in meinen Augen deutlich besser, dass es nach dem Fasten fest in den Alltag integriert ist und man gar nicht mehr zurück zu vorher will! Schaut dafür mal bei meinen Blogposts "40 Tage Plastikfasten - mein Erfahrungsbericht" und "Plastikfasten - 40 Tage ohne Plastik" vorbei.
Ansonsten rate ich euch statt Konsumfasten:

Buy less, choose well, make it last

- Vivianne Westwood