Wie nachhaltig & fair ist Schmuck?

08. Dezember 2021

Lesezeit: ~ 6min

In meinem Umfeld sind gerade viele am heiraten und so kam folgendes Gespräch zustande: ich war auf einer Hochzeit und plötzlich ging es um das Thema Verlobungsringe. Ich meinte dazu etwas wie: "mir ist es eigentlich egal wie viele Gehälter mein Partner für einen Ring ausgeben würde, hauptsache er ist nachhaltig". Das Paar neben uns meinte dann sofort: "Aller Schmuck (der kein Mdoeschmuck ist) ist nachhaltig!". Da ich einige Schmuckmarken kenne, die gezielt auch mit Nachhaltigkeit werben, konnte ich es dabei natürlich nicht belassen und musste das Thema einfach recherchieren!
In diesem Blogpost zeige ich euch die Ergebnisse meiner Recherche: wie nachhaltig und auch fair ist die Schmuckindustrie? Gibt es Schmuck der nachhaltiger ist als anderer? Wenn ich von Schmuck rede meine ich dabei immer echten Schmuck, nicht Modeschmuck!

Wie nachhaltig & fair ist Schmuck?

Um die Frage zu beantworten müssen wir uns natürlich erstmal die Rohmaterialien anschauen, aus denen Schmuck in der Regel besteht: Gold, Silber, Edelsteine und Perlen. Gold und Silber fasse ich dabei unter Edelmetalle zusammen, da die beiden in der Regel sogar zusammen gewonnen werden.

Edelmetalle: Gold und Silber

Viele der großen Goldminen liegen in Südamerika, Asien oder Afrika. Goldminen können ein Tagebau sein und damit große Krater in die Landschaft reißen oder in Form von Bergwerken auftreten. Silber ist dabei ein Nebenprodukt, das bei der Goldgewinnung entsteht und hat somit die gleichen sozialen und umweltschädlichen Probleme. Die Edelmetalle sind dabei meistens mit anderen Gesteinsarten verbunden und zur Trennung werden giftige Chemikalien wie Zyanid oder Quecksilber verwendet. Bei dieser Trennung können giftige Dämpfe entweichen und die Luft für Menschen und Tiere vergiften. Außerdem können die Chemikalien auch in Flüsse oder Seen gelangen und diese verschmutzen. Etwa 100 Tonnen Quecksilber, die bei der Gewinnung von Gold anfallen, gelangen pro Jahr in den Amazonas - um nur ein Beispiel zu nennen.
Auch für die Arbeiter:innen ist dieser Umgang mit Chemikalien natürlich sehr gesundheitsschädlich. Dazu kommt, dass immer wieder Fälle von Kinderarbeit in den Minen aufgedeckt werden. Viele Minengebiete sind außerdem von Gewalt und bewaffneten Konflikten heimgesucht, da oft Konflikte um die wertvollen Rohstoffe auftreten.

Edelsteine

Der beliebteste Edelstein ist der Diamant und das obwohl es sich um einen seltenen Edelstein handelt. Eine der größten Minen zum Abbau von Rohdiamanten befindet sich in Angola. Dort werden jährlich rund 6,8 Millionen Karat (360kg) abgebaut. Auch beim Abbau von Diamanten werden Giftstoffe, wie Arsen und Quecksilber, verwendet. Im Juli 2021 gab es eine große Umweltkatastrophe, als die Mine in Angola mit den gefährlichen Chemikalien einen an die Mine angrenzenden Fluss verschmutze. Die Chemikalien haben sich dabei bis ins Nachbarland Kongo ausgebreitet und der verschmutzte Fluss führte zu tonnenweisen toten Fischen und sogar zwölf Todesfällen bei Menschen, die das Wasser tranken oder den verseuchten Fisch gegessen haben.
Die meisten Diamanten werden in Ländern mit einer ärmeren Bevölkerung abgebaut, allerdings haben die Menschen dort wenig von dem üppigen Rohstoffvorkommen, denn die Unternehmen zahlen wenig Steuern und die Arbeitsbedingungen sind zumeist schlecht.
Zum Abbau von anderen Edelsteinen, wie Rosenquarts, Jade oder Kristallen, konnte ich leider nicht so viele Quellen finden. Was ich rausfinden konnte, war, dass der Abbau dem von Diamanten und Edelmetallen stark zu ähneln scheint und dass das interregionale Forschungsinstitut der Vereinten Nationen für Kriminalität und Rechtspflege daraufhin weist, dass etwa 75 bis 80 Prozent der farbigen Edelsteine unter nicht verträglichen ethischen Bedingungen abgebaut werden.

Perlen

Perlen werden von Austern (Muscheln) erzeugt. Die meisten echten Perlen werden gezüchtet, indem ein Reizstoff in eine Auster eingesetzt wird, woraufhin die Muschel Perlmuttschichten ablagert, bis sich eine Perle bildet. Bei nicht gezüchteten Perlen ist auch ein Reizstoff, wie z.B. Meersand oder -staub, nötig, dieser findet aber auf natürlichem Wege zur Muschel. Das praktische an den Austern: sie schützen sich im gewissen Maße selbst, denn sie erzeugen nur Perlen, wenn sie gesund sind und sich in sauberem und nährstoffreichem Wasser befinden. Viele Farmen befinden sich im pazifischen Ozean in Regionen mit der weltweit größten Korallen- und Fisch-Diversität. Weil die Perlenfarmer:innen genau wissen, dass die Perlenzucht nur funktioniert solang die Muscheln gesund sind, setzen sie sich in der Regel aktiv für den Schutz der Meeren und Korallenriffe ein.

Nachhaltige Lösungen

Fairtrade Edelmetalle

Es gibt eine Fairtrade-Zertifizierung für Gold und Silber. Diese richtet sich nicht an die großen Minen, sondern kleingewerbliche Goldschürfer:innen. Das Siegel schützt die Rechte der Arbeiter:innen und ihrer Gemeinden. Dabei gibt es keine Kinderarbeit, strenge Schutzmaßnahmen für Arbeiter:innen und Umwelt und Kontrollen vor Ort durch die Fair Trade Organisation Flocert. Die Fairtrade-Regeln gelten dabei nicht nur für die Minen, sondern für die gesamte Lieferkette, von der Mine bis zum:r Goldhändler:in. Allerdings gibt es bisher erst zwei zertifizierte Goldminen und weltweit nichtmal 100 Händler:innen (Goldschmiede und Juweliere), die fairtrade Schmuck anbieten.

Recycling Materialien

Die meisten nachhaltigen Schmuckunternehmen, die ich kenne, arbeiten mit recycelten Materialien. Wiederverwertetes Gold und Silber schont die Ressourcen der Erde und ist daher nachhaltiger als neu abgebautes. Die Edelmetalle lassen sich leicht wiederverwenden, denn durch das Einschmelzen kann einfach neuer Schmuck daraus geformt werden. Das funktioniert so lange, wie der Bedarf an neuen Schmuckstücken nicht größer ist, als die Menge an bereits abgebauten Edelmetallen. Ich empfehle euch daher alte Schmuckstücke und andere Dinge aus Edelmetallen (wie zum Beispiel Goldzähne) entweder Second Hand weiterzuverkaufen oder zu einem:r Altgoldhändler:in zu bringen, um die Materialien wieder in den Kreislauf zurückzubringen. Zuhause in der Schublade nutzen die wertvollen Ressourcen nämlich niemandem etwas.

Diamanten aus dem Labor

Diamanten bestehen aus einer einzigen "Zutat": Kohlenstoff. Und inzwischen ist es möglich den natürlichen Entwicklungsprozess in Laboren nachzubilden. Es entstehen dabei genauso wertvolle und hochwertige Diamanten wie in der Natur, aber es gibt einen positiven Effekt: der Abbau ist nicht mehr notwendig. Auch wenn es sich im Labor um einen aufwändigen Prozess handelt, ist dieser nachhaltiger und sozialer als Diamanten aus der Mine. Es entstehen dabei deutlich weniger Emmissionen, es wird weniger Wasser benötigt und verschmutzt und auch weniger Müll produziert. Die für die Herstellung von Diamanten in der Laborumgebung bekannte Diamond Foundry agiert außerdem sozial und stellt die Diamanten in den USA her - die Mitarbeiter:innen unterstehen also auch den amerikanischen Arbeiterschutzgesetzen.

Nachhaltige Schmuckmarken

Mein Fazit: es gibt Unterschiede und es macht einfach Sinn bei Schmuck auf Nachhaltigkeit und Fairness zu achten. So können wir unsere Lieblingsteile ohne schlechtes Gewissen tragen und wer möchte zum Beispiel seine Verlobung mit einem blutigen Diamanten und verschmutztem Wasser feiern?
Zum Glück gibt es viele Unternehmen, die es besser machen. Und ich möchte euch einige davon vorstellen:

  • Wild Fawn Jewellery ist ein tolles Label aus London. Alle Silberschmuckstücke werden hier aus recyceltem Silber hergestellt, beim Goldschmuck kommt recyceltes Gold und Fairtrade-Gold zum Einsatz. Ich habe zwei Ringe und ein Fake-Piercing von Wild Fawn und bin super zufrieden.
  • Bei Fremdformat findet ihr schönen, modischen Schmuck mit Upcycling-Gedanken: Fremdformat nutzt Reste der Metall-verarbeitenden Industrie um daraus neue Schmuckstücke zu fertigen.
  • Auch bei Dear Darling Berlin gibt es tolle nachhaltige und faire Schmuckstücke, hier aus recyceltem Sterlingsilber und Gold aus Scheideanstalten.
  • Bei Akind gibt es nicht nur Gold- und Silberschmuck sondern auch Edelsteine und Perlen. Bei den Diamanten von Akind handelt es sich um im Labor gezüchtete Diamanten und das Gold und Weißgold sind recycelte Materialien.

Es gibt noch viele weitere nachhaltige und faire Schmuckhersteller und ich werde die Liste mit der Zeit auch sicher ergänzen. Viele Marken sind auch im Avocadostore vertreten, wo ihr bei jedem Teil sehen könnt wie nachhaltig und sozial es gefertigt wurde.

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